Die 80m Endspeisung – HyEndFed oder was …?

Jeder muss sich nach seiner Decke strecken! In meinem Fall heißt das, dass ich für meine Antennen einen 10m Teleskopmast stellen kann und eine Drahtantenne mit Ausmaßen einer G5RV als inverted-V aufspannen darf und alles einfahren muss, sobald ich den Funkbetrieb einstelle.

Diese Umgebungsvariablen verlangen eine gewisse Kreativität bei der Auswahl und Einrichtung der Antennensysteme.

Als Einsteigermodell kam eben jene G5RV zum Einsatz. Die war mit der Hühnerleiter einfach nur unpraktisch und der Wirkungsgrad auf den Bändern oberhalb von 17m unterirdisch.

Ant1 Ant2

Ich testete danach diverse Modelle. Alle hatten unterschiedliche Nachteile. Aber einer zeichnete sich bei allen ab: Die Mittenspeisung. Jedes Mal, wenn ich meinen Mast in die Luft brachte, musste ich ein Arm dickes Bündel Kabel mit hinauf hieven. Das beendete die HyEndFed 5 Band. Diese ist endgespeist und leicht. Kein Kabel am Mast und kein nennenswertes Gewicht des Strahlers! Perfekt! Oder ?

Die Leistung der Antenne ist auf allen Bändern ordentlich, auf jeden Fall der bis jetzt beste Kompromiss. Aber wie sollte es auch anders sein – 200W max. und auf 80m nur 100 kHz Bandbreite. Tuned man die Antenne darüber hinaus an, jagt man den Trafo in die Sättigung.

Also musste eine 80m Monobandantenne mit 32m Gesamtlänge her. Die Lösung bestand aus einem Dipol mit zwei 25µH Spulen als Verlängerung. Nun hatte ich 200 kHz Bandbreite und ich konnte meine Endstufe voll ausfahren … und eine Mittenspeisung 🙁

Zurück auf Feld A. Den ersten Versuch, den Dipol vom Ende einzuspeisen, unternahm ich mittels einer J-Einspeisung aus RG213, was prinzipiell funktionierte, aber 30 kHz Bandbreite sind einfach inakzeptabel.

Mess1

Die Einspeisung über einen 1:50 Trafo war als nächstes anvisiert. Um jedoch auf die Leistung von 750W PEP zu kommen, muss man mehrere Ferritringe stapeln, was andere Probleme aufwirft. Auch durchgefallen. Beim Stöbern im Netz stieß ich nach einiger Zeit auf einen Artikel in Wikipedia über den Resonanztransformator.

https://de.wikipedia.org/wiki/Resonanztransformator

Das erschien mir sehr vielversprechend. Der Tiefpass bewirkt eine Impedanzübersetzung und die Mathematik ist unproblematisch. Zunächst rechnet man aus dem Eingangs- und dem Lastwiderstand Q aus und daraus das benötigte L und C.

FormelLC1

Die ersten Versuche sahen mehr als gut aus. Als Antennenersatz kam ein 3kWiderstand zum Einsatz.

Mess2 Mess3

Die Experimentierphase war erfolgreich beendet und nun konnte es an den Aufbau einer wetterfesten und leistungsstarken Anpassung gehen. Damit der Drehkondensator der Spannung gewachsen ist, baute ich ihn wieder in den Originalzustand zurück (Schubert DKS4).

C1

Dieses Modell hat aber nicht genug Kapazität, um die Resonanz zu erreichen. Ein spannungsfester Keramik C ö.ä. stand nicht zur Verfügung. Jedoch besaß ich noch einige Kondensatorplatten aus einem älteren Projekt, die ich zu einem 75 pF Kondensator zusammenfügte.

C2 C3

Diesen Festwert-Kondensator schaltete ich einfach parallel zu dem DKS4 und lag somit voll im Regelbereich und erreichte eine Spannungsfestigkeit von 4 kV.

Um die Apparatur fernsteuern zu können, baute ich nach bewährtem Rezept ein kleines Steuerungsmodul, mit dem ich getrennt das Kugelvariometer und den Kondensator fahren kann.

St1

Die Komponenten des Resonanztransformators baute ich in eine große IP66 Hensel-Box die sich noch aus den Anfängen meiner Antennenexperimente in meinem Fundus befand. Ich fügte eine Bodenplatte aus Kunststoff ein und platzierte die Einbauten. Die Steuerleitung für den C verlegte ich unter die Platte, was sich noch als fatal herausstellen würde.

Montage1

Die Montage erfolgte an einem Tag, an dem es mal nicht regnete. Und ging schneller, als ich gedacht hatte. Die Messungen mit meinem Rigexpert AA-600 machten Mut und zeigten, dass meine Rechnung voll auf ging. Es ist möglich, den Dipol über das gesamte Band mit einem SWR nie schlechter als 1:1,5 (Typisch 1:1,35) anzupassen.

Nun ging ich an den ersten Test mit meinem TRX. Zunächst mit kleiner Leistung, dann mit 100 W. Alles bestens. Die Abstimmung funktioniert einfach und schnell. Nun kam der Moment der Wahrheit. Ich schaltete die PA ein. Gewöhnlich beginnen hier die Probleme und so war es auch diesmal. Damit der Festwert-Kondensator nicht verrutscht, bohrte ich bei der Montage Löcher in die Bodenplatte, in die dessen Muttern griffen. Unglücklicherweise hatte sich die Steuerleitung des DKS4 hierher verirrt, was nun dazu führte, dass die Hochspannung auf den Schrauben voll in die Steuerleitung des DKS4 drosch….

M2 M3

Die dünnen Drähte verdampften und hinterließen einen Kupfer-Niederschlag auf einer der Muttern des Festwert-Kondensators. Vom Längstransistor meiner Steuerung blieben nur die Rückseite und die Anschlussbeine übrig. Nun ja. Kleine Verluste sind eben immer dabei. Ich behob den Schaden und verlegte die Drähte anders.

Versuch 2:

SWR1

Geschafft !! Die Anpassung hielt der Leistung von 630 W Dauerstrich für 20 Sekunden stand. Danach beendete ich zufrieden den Test.

Um das Projekt abzuschließen, installierte ich noch etwas Kabelkanal und verstaute die Leitungen darin. Wichtig! Mantelwellensperre nicht vergessen. Diese fand ihren Platz am Übergang der Kabel zu meiner Anschaltbox am Fuß des Mastes.

Montage2

Wie wir alle wissen, ist die Anpassung die eine Sache; ob das Gebilde, auf das wir so stolz sind, dann auch funktioniert, die andere. Also ging es noch an den QSO-Test. Ich hatte das Glück einen alten Bekannten wiederzutreffen, Horst DK6EA geriet in meine Fänge. Zu meiner großen Freude übermittelte er mir den gleichen Rapport wie bei unserem letzten Treffen auf 80m 5/9+15 dB (bei 100W). Diese Signalstärke blieb über die gesamte Zeit unseres ausgedehntes QSO´s etwa konstant.

Damit hat die Endspeisung ihre Feuertaufe bestanden und wird als funktional in den Bestand übernommen …. vorerst 😉

Als nächstes Projekt steht der Umbau meiner HyEndFed 5 Band an. Ich werde auch hierüber nach Abschluss berichten.

Bis dahin – 73 de Frank DL6FH