160m Antennentest mit der Plexiglas-Antenne

160m Antennentest mit der Plexiglas-Antenne
(DL6FH & DC5PS)

Nachdem das Projekt der Plexiglas-Antenne soweit erfolgreich abgeschlossen war, stand der letzte interessante Test an. Die Frage war:

Wie spielt die Antenne auf 160m?

Stellten wir in der Vergangenheit unser Projekt vor, dann runzelten die OMs spätestens die Stirn, wenn wir auf die 160m-Option zu sprechen kamen. Schnell waren viele Gründe gefunden und ins Feld geführt, warum „das“ nicht funktionieren kann. Strahler viel zu kurz, Güte der Bauteile zu schlecht, das Fahrzeug ohne Radials ist ein unzureichendes Gegengewicht, bestenfalls für CW oder Digi-Modes zu gebrauchen ….. Soweit die Highlights.

In der sternenklaren Nacht zum Ostersonntag 2016 trafen wir (Sascha DC5PS und ich, Frank DL6FH) uns auf einem Parkplatz bei Jockgrim. Der Termin war für unser Vorhaben optimal gewählt. Nicht nur weil das Wetter mitspielte, sondern auch weil just an diesem Wochenende der CQ WW WPX Contest statt fand! Jede Menge Stationen zum Testen auf 160m (und 80m) also.

Teil I – Saschas „funkendes Backblech“ (MFJ-1979 + CG-3000):

Und los ging´s. Sascha baute seinen CG-3000 mit dem 5m Teleskop auf seinem Auto auf und ich installierte meine Plexiglas-Antenne auf meinem Kombi.

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Noch während ich mit Aufbauen beschäftigt war, stand plötzlich ein sehr aufgeregter Sascha vor mir, der mir mit einer Mischung aus Verwunderung, Stolz und Freude wortreich mitteilte, dass er gerade sein allererstes QSO überhaupt auf 160m hatte. LY, wo ist eigentlich LY ? Als ich ihm Litauen als Destination nannte, hatte ich für eine Sekunde das Gefühl, er suche nach einem Stuhl. 😉
Voller Eifer stürzten wir uns zunächst mit Saschas „funkendem Backblech“ in den Contest. Immer wieder waren wir über die Stärke der empfangenen Signale überrascht, die meisten über S9! Bei den stärkeren Stationen hatten wir keine Probleme, gehört zu werden. Ein Nachteil eines Contests sind die Rapporte. Wie man gehört wird, kann man nur erahnen an Hand dessen, wie schnell die Gegenstation antwortet und wie oft der OM nachfragt. Aber innerhalb weniger Minuten hatten wir ohne Mühe 7 QSOs in Saschas Log!

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Wie auf diesem Bild leicht zu erkennen ist, hatten wir riesigen Spaß! Beide!!

Fazit:

Auch diese, etwas kommerziellere Version, hat auf den langen Bändern voll überzeugt. Es gelang auf 160m und 80m leicht ein QSO nach dem anderen. Der Tuner stimmt die Antenne innerhalb weniger Sekunden zuverlässig ab. Der unbestreitbare Vorteil gegenüber der Selbstbauvariante ist der Komfort beim Abstimmen. Bequemer geht es nicht!

Saschas DC5PS Station im Fahrzeug:

Stromversorgung: 18 Ah Blei-Gel Akku
TRX: Yaesu FT-857D
PWR: 100W
Tuner: CG-3000
Strahler: MFJ-1979 5M Teleskopstab voll ausgezogen

Teil II – Die Plexiglas-Antenne – Selbstbau L-Match:

Bald nahm dann aber die Neugier, wie denn wohl die Plexiglas-Antenne im Vergleich zu Saschas Aufbau performen würde, überhand. Wir wechselten rüber in mein Auto, stimmten ab und dann das:

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Mein Kenwood TS-480 ist mit dem Ausschlag des S-Meters gerne mal etwas sparsam. Und das erste Signal, das wir empfingen, ging in den Spitzen deutlich über S9+20 dB (ohne Pre-Amp) !! Dieser Trend setzte sich in der nächsten Stunde in den QSOs, die wir machten, fort. OK, DL, LY, EW, HA, 9A, SM, S5 usw. waren die Länder, die wir meist ohne Probleme arbeiteten. Bis auf wenige Ausnahmen fragten die OMs max. einmal nach und verstanden sofort die laufenden Nummern.

Das war für uns der Beweis. Nicht nur CW und Digi-Modes. Nein – diese Antenne hat genug Wirkungsgrad, um auf 160m ohne Weiteres SSB QSOs führen zu können. Wie schon die Erfahrung auf 80m in der Vergangenheit gezeigt hatte, zeichnete sich eine deutliche tote Zone ab. Es war wesentlich einfacher, Stationen im benachbarten Ausland zu arbeiten als deutsche Stationen – es sei denn, diese ist weit genug weg.

Als wir die meisten für uns erreichbaren Stationen auf 160m gearbeitet hatten, beschlossen wir noch unser Glück auf 80m zu versuchen. Auch hier brüllend laute Signale bis S9+40 bB in den Spitzen !! Unglaublich für einen Strahler mit einem 16tel der Wellenlänge. Zunächst arbeiteten wir Stationen im gleichen geographischen Bereich wie auf 160m. Auch hier überwiegend ohne Mühe.

Allerdings – es waren auch zwei Ausreißer dabei – EA3PT Spanien und 9K2HN Kuwait !!! Nicht zu fassen. Wir beschlossen, dass das wohl für diesen Abend nicht mehr zu toppen sei.

Nun sollte noch die optische Erscheinung unseres Projektes festgehalten werden. In meiner Anpassung koppele ich HF aus und schalte damit die Beleuchtung von weiß auf rot um, was sich dann während des Durchgangs so darstellt:

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Zufrieden grinsend gingen wir gegen 23:00 Uhr Ortszeit an den Abbau. Alles in allem war die Aktion ein voller Erfolg und wird sicher bald wiederholt werden.

Fazit:

Die Selbstbauvariante hat gezeigt, was sie kann. Gefühlt war die Plexiglas-Antenne dem Automatiktuner leicht überlegen. Als Nachteil muss man anführen, dass die Abstimmung zwischen den Bändern deutlich länger dauert und etwas Übung verlangt. Ein weiterer Vorteil ist, dass man den Stromverbrauch im Idealfall auf 0mA senken kann, wenn die Antenne abgestimmt ist. Der Automatiktuner nimmt hingegen immer mindesten 350mA auf, was den Akku über die Zeit doch spürbar belastet.

Franks DL6FH Station im Fahrzeug:

Stromversorgung: 45 Ah Blei-Gel Akku
TRX: Kenwood TS-480SAT
PWR: 100W
Tuner: L-Match Selbstbau
Strahler: MFJ-1979 5m Teleskopstab voll ausgezogen