Der Giftzwerg

(Mobiler L-Match V3

Kapitel 1 – Die Vorgeschichte

Die Plexiglasantenne (V2) war ein großer Erfolg! Das Teil funktioniert allgemein bestens. Es lässt sich auf den Bändern 30m, 40m, (60m), 80m und 160m problemlos abstimmen. Der Wirkungsgrad ist auch auf den langen Bändern immer noch so gut, dass SSB-QSOs problemlos möglich sind.

Und – es leuchtet schön! 😉

V1.2 160m          V2 Plexi

V1.2 mit 160m Erweiterung V2 – die Plexiglasantenne

Bei diversen Einsätzen konnte ich viele schöne Verbindungen herstellen. Während des WPX Contests Ostern 2016 stellte die Plexiglasantenne ihr Potential auf 80m und 160m eindrucksvoll unter Beweis. Siehe Bericht

Eine Sache jedoch muss man anführen. Die Abmessungen sind recht groß und etwas unhandlich. Im Urlaubsgepäck nimmt die Anpassung zu viel Raum ein. Das veranlasste mich, über eine Version 3 im SMD-Format nachzudenken. Ich steckte mir das Ziel, die Anpassung auf 50% der Größe der Plexiglasantenne einzudampfen. Also eine Gesamthöhe von ca. 30cm. Das war der Startschuss für das Projekt „Giftzwerg“!

Kapitel 2 – Die Geburt

Da sich die Komponenten der V1 und der V2 als funktional und ausreichend belastbar gezeigt hatten, beschloss ich, genau diese Bauteile auch für die V3 zu benutzen. Ich orderte also zunächst eine der Rollspulen (www.elektrodump.nl). Die Motoren und den Drehkondensator hatte ich noch passend im Fundus.

Die Spule hat eine Länge von 18cm. Flanscht man hier noch den Motor dran, hat das Gebilde eine Gesamtlänge von nahezu 28cm und dann kommt noch der Kondensator dazu. Die althergebrachte Konstruktionsweise schied somit aus. Ich entschloss mich dazu, den Motor quasi in die Spule hinein zu bauen, um damit letztlich eine Länge der regelbaren Induktivität von 19cm zu erreichen.

       Rollspule  MotorSpule

Die Schwierigkeit bestand jedoch darin, die Keramik-Seitenwand zu durchbohren. Nach reiflicher Überlegung riskierte ich es. Der 12mm-Schlagbohrer wurde in den Akkuschrauber gespannt, angefeuchtet und dann ging es los ! Nach etwa 45 Minuten – ein lautes „krack“ ! Ich war sehr erleichtert zu sehen, dass ich Glück hatte und sich nun ein sauberes Loch in der Seitenwand auftat, welches das Achslager des Motors aufnehmen konnte. Die Montage des Antriebs ging dann recht rasch. Der Motor wurde mit 2-Komponenten Kleber befestigt und die Keilriemenräder montiert.

Wie auch bei der Version 1 kamen als Gehäuse das bewährte 130mm Abluftrohr und die 125mm HT-Rohrkappen zum Einsatz. Die Installation des Kondensators fand im Bodendeckel statt.

Kondensatordeckel

Hier eine Abbildung noch ohne Motor. Dieser fand direkt neben dem Kondensator auf dem Deckelboden Platz.

Bau

Nun stand das Design des Korpus an. Da die Gesamtlänge ja 30cm nicht überschreiten sollte, kam eine Unterbringung der 160m Spule on top nicht in Frage. Daher entschied ich mich, die Windungen einfach auf das Gehäuserohr zu wickeln. Dabei orientierte ich mich am Drehsinn der Rollspule und brachte 26 Windungen auf. Die Anschlussdrähte führte ich nach innen und umwickelte die Spule mit weißem Isolierband, um sie zu stabilisieren. Das 160m Umschaltrelais fand im Deckel seinen Platz.

Rohrspule

Bei der Plexiglasantenne hatte sich als Fußform das Dreieck mit den Topfmagneten bewährt. Jedoch verzichtete ich hier, zu Gunsten der Größe, auf die Nivellierung. Noch eine nette unauffällige Farbe und Kennzeichnung – fertig!

Lackierung Giftzwerg

Kapitel 3 – Kinderkrankheiten

Wie bei jedem Projekt steht nach dem Abschluss der Arbeiten in der Werkstatt der Funktionstest an. Dieser fand auf der Lindemannsruhe in der Nähe von Bad Dürkheim statt. Ich konnte, wie auch mit der Plexiglasantenne, alle Bänder abstimmen. Es gelang durch die geringe Größe sogar 20m mit einem SWR von 1:1.5 anzupassen.

Auto1

Wie schon die Anpassungen vorher, überzeugte auch der Giftzwerg mit schönen Signalen auf allen Bändern incl. 160m. Die Leistung von 100W schien, wie zu erwarten, auch kein Problem darzustellen, bis während eines Durchganges auf 160m plötzlich keine Anpassung mehr möglich war! Was war passiert? Auf 40m und 80m zeigten sich keine Unregelmäßigkeiten. Es schien, als würde das Umschaltrelais der 160m Spule nicht mehr funktionieren.

Wieder zu Hause öffnete ich das Gehäuse und stellte fest, dass zwei isolierte Drähte um das Relais herum mit heftigen Schmauchspuren zusammengebacken waren und einen Kurzschluss verursacht hatten. Die Drähte haben sich wohl beim Zusammenbau berührt und die HF in Kombination mit der hohen Spannung verbrannte die Isolierung. Ich behob den Schaden, verlegte die Leitungen mit weitem Abstand zueinander und war nun guter Dinge, dass jetzt alles funktioniert.

Kapitel 4 – Rügen

Unseren Jahresurlaub verbrachten wir 2016 wiederum auf Rügen, diesmal in einem kleinen Nest namens „Klein Kubitz“. Ungefähr 200m die Straße runter fand man sich in einem kleinen Hafen wieder, um dessen Beton-Kai herum kleine Boote von Hobbyfischern lagen. Der perfekte Platz um QRV zu werden!

An drei Abenden baute ich mein Equipment hier auf und machte vornehmlich auf 40m Betrieb. Am ersten Abend gelangen mir ca. 50 QSOs in ganz Europa.

Auto2

Das Highlight war eine Verbindung mit V51WH in Namibia auf 40m mit 59! Großen Spaß hatte ich auch daran. so viele OM´s aus der Heimat zu hören. Danke Jungs – super Aktion!

Aber es kam, wie es kommen musste. Ich wollte bei einem Contest einer österreichischen Station auf 160m antworten. Ich stimmte ab, drehte die Leistung auf 100 W und kam über die Nennung meines Calls nicht hinaus. Das SWR ging durch die Decke und es war kein Betrieb auf 160m mehr möglich – verflixt – nicht schon wieder!

Während der Untersuchung des Problems bot sich mir dann dieses Bild:

Relais1

Ein zwischen den Lötfahnen völlig verbranntes Relais. Hier hat ein heftiger Überschlag stattgefunden, der es unmöglich machte auf 160m zu arbeiten. Hier treten offenbar größere Spannungen auf, als man vermutet !!

Parole – niemals aufgeben !! Ich ersetzte das Brikett gegen ein ordentliches 2-fach um Relais und änderte erneut die Kabelführung.

Heisskleber

Die Zwischenräume zwischen den Kontakten vergoss ich mit Heißkleber, um Überschläge zu verhindern. Dieses Konstrukt hielt einem Test nun Stand.

Kapitel 5 – Fazit

Alles in allem hat sich diese Art der Antenne als Urlaubslösung sehr bewährt:

  • Der Wirkungsgrad ist auf allen Bändern akzeptabel.

  • Das Equipment nimmt im bepackten Urlaubsauto nur wenig Platz ein.

  • Es ist überflüssig irgendwelche Drähte in Bäume zu schießen oder hohe Masten aufzustellen, über die sich andere Urlaubsgäste echauffieren.

  • Die Komponenten sind in wenigen Minuten montiert und noch schneller wieder demontiert.

  • Als Location für den Funkbetrieb eignet sich fast jeder freie Platz, den man mit dem Fahrzeug erreicht.

Ich habe meine Urlaubs- und Portabelantenne gefunden, da die Ergebnisse eine deutlich Sprache sprechen und dieses Konzept zu mehr als nur einem Kompromiss machen.

Im Übrigen hatte mich der der österreichische OM auf 160m aufnehmen können – die eQSL Karte ist wenig später bei mir eingegangen 😉

73 – Frank DL6FH.