SDR küsst Kenwood

SDR küsst Kenwood

oder

Panorama-Adapter für den TS-590S

I – Modifikation des TS-590S:

Wer findet es nicht chic? Ein mords Wasserfall, ein in Echtzeit zuckender Graph und ein leicht arrogantes „Dein IMD3 geht ja gar nicht …!“ auf den Lippen. Dafür würden viele Funkamateure morden – oder na ja – zumindest ihren Afu-Dealern ´nen unanständigen Haufen Geld in den weit aufgerissenen Rachen schleudern 😉

Hier die gute Nachricht für alle TS-590S Besitzer – Auch Euch kann geholfen werden! Die Anschaffung eines TS-590SG oder eines Flexradios ist nicht nötig. Auch eine Krücke namens „Switchbox“ muss nicht zwangsläufig den Weg in Euren Shack finden.

Es ist auf sehr unkritische, einfache, aber elegante Weise möglich einen SDR Empfänger (hier der DX Patrol Mark III) mit dem TS-590S zu verbinden. Es wird das gesamte Antennensignal nach dem Bandfilter und dem RX/TX Umschaltrelais abgegriffen und dem SDR Empfänger zugeführt.

In aller Deutlichkeit – es handelt sich hier nicht um eine abenteuerliche Anzapfung eines ZF Signals in den Tiefen des RX ! Es läuft auf die Wirkungsweise der sog. Switchbox hinaus, nur elegant mit „Bordmitteln“ des TS-590S inklusive Bandfilter und automatischer Unterdrückung des Sendesignals.

Vorbereitend wird ein Stück RG 316 oder RG 174, ausgestattet mit einem BNC oder SMA Stecker benötigt. Um das Kabel mit dem TS-590S zu verbinden, legt man den TRX auf den Rücken und öffnet das Bodenblech. Dann das dünne Kabel mit etwas Fingerspitzengefühl durch die Chynchbuchse der RX-Antenne fädeln und abmanteln. Den Schirm verdrillen und eine Ring- oder Gabelöse anlöten.

Damit man besser arbeiten kann, sollte man nun das rot markierte Systemkabel von CN100 abstecken. Danach den Jumper CN101 abziehen und mit einem Skalpell etwas Kunststoff entfernen, so dass die Metallfeder zu sehen ist. Hier vorsichtig ein Bein eines keramischen 1,5nF Kondensators anlöten. Das andere Bein des C´s mit der Kabelseele verbinden, die Lötöse mit der Schraube bei der RX-Antennenbuchse auf Masse anschließen und den Jumper mit dem C wieder auf CN101 stecken.

Jetzt das Systemkabel wieder mit CN100 verbinden, das RG174 etwas um die Relais herum verlegen und vor und hinter der Chynchbuchse mit Kabelbindern sichern. Deckel drauf – fertig!!

II – Installation der Hardware

Das ist der einfachste Teil. Das USB Kabel, das den DXPATROL mit dem PC verbindet, sollte mit Ferritringen ausgestattet werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sich die USB Schnittstelle während des Sendens aufhängt. Der Schalter am SDR Empfänger muss auf „HF“ gestellt werden und das RG 174 mit der SMA-Buchse „HF“ verbunden werden. Der PC installiert automatisch einen Treiber für den RTL2832 Chip.

III – Software Download

Es werden mehrere kostenlose Softwarekomponenten benötigt.

Zunächst HDSDR ein SDR-Client mit Bedienungsanleitung:

http://www.hdsdr.de/download/HDSDR_install.exe

https://sites.google.com/site/g4zfqradio/installing-and-using-hdsdr

Eine DLL Datei, die es HDSDR ermöglicht mit dem RTL2832 Chip im DXPATROL zu kommunizieren + Bedienungsanleitung:

http://hdsdr.de/download/ExtIO/ExtIO_RTL2832.dll

http://hdsdr.de/RTLSDR_with_HDSDR.pdf

Eine Treibersoftware“ZADIG“ :

http://zadig.akeo.ie/

HRD 5 – (frei):

www.k4hlw.com/files/hrd/setuphrd52438.exe

IV – Installation der Software

IV-a Zadig:

Als erstes muss die Treibersoftware ZADIG ausgeführt werden und damit der installierte SDR-Treiber ausgetauscht werden. Hierzu wählt man unter „Options“ → „List all devices“ aus und klickt auf den RTL2832. Es erscheint im oberen Pulldown der RTL Chip und im Installationsfenster muss „WinUSB (v6.1…..)“ ausgewählt werden. Dann vollzieht man den Austausch durch Klicken auf den Button „Replace“ (hier im Bild „Reinstall Driver“).

Nun kann ZADIG geschlossen werden. Es läuft automatisch im Hintergrund und muss später nicht aktiv gestartet werden.

IV-b HDSDR und die DLL:

Als erstes die Installationsdatei des HDSDR ausführen und die Installation durchführen. Das Programm zunächst noch nicht starten. Die „ExtIO_RTL2832.dll“ in das Installationsverzeichnis von HDSDR kopieren ( c:\Programme(86)\HDSDR\ ).

HDSDR kann nun gestartet werden. Es wird normalerweise den DXPATROL automatisch finden und seinen Betrieb aufnehmen. Eine manuelle Auswahl der Quelle wird im nächsten Kapitel beschrieben.

!! Es wird im Wasserfall noch kein verwendbares Ergebnis angezeigt – die Konfiguration von HDSDR steht noch aus !!

V – Einrichtung HDSDR

In diesem wichtigen Schritt müssen einige Einstellungen für die Funktion von HDSDR vorgenommen werden.

Durch Klicken auf „Options“ oder Drücken von F7 gelangt man in das Einstellungsmenü. Hier auf „Select Input“ klicken und weiter auf „Generic RTL2832U OEM“, um den DXPATROL zu aktivieren, sollte das nicht automatisch geschehen sein.

Dann die Einstellung der Soundausgabe. Für den normalen Betrieb sollte hier „Using HDSDR without audio output“ eingestellt werden, da für die Wiedergabe der TS-590 genutzt wird. Jedoch um den DXPATROL und den TS-590S zu synchronisieren, kann man momentan die Soundkarte auswählen, um eine akustische Information für den Abgleich zu haben. Dazu später mehr.

Unter „Options“ → „RF front-end frequency options“ muss eine wichtige Einstellung gemacht werden. Der DXPATROL nutzt einen Down-Converter mit einer Frequenz von 40 MHz. Man setzt den Punkt bei „SDR Hardware on Down/Up-Converter“ und trägt im Datenfeld 40000000 ein. Wie zu erkennen ist, habe ich diese Frequenz variiert und damit meinen TRX und den DXPATROL synchronisiert. Dazu habe ich als Rückhörkontrolle, wie oben beschrieben, die Soundkarte aktiviert. Während ich eine Station gleichzeitig über den TS-590S und den DXPATROL wiedergab, variierte ich die Converterfrequenz, bis die Station klar von beiden Geräten wiedergegeben wurde.

VI – Steuerung des TS-590S über HDSDR (optional)

Und jetzt kommt der Haken! Für die bidirektionale Steuerung des TRX über HDSDR wird die sog. DDE Schnittstelle von Ham-Radio-Deluxe (HRD) benötigt. Es wird also eine Installation von HRD inkl. einer funktionierenden Datenverbindung zwischen dem TRX und HRD vorausgesetzt. Die gute Nachricht – egal welche Version. Also die freie Version 5 tut´s genauso wie die Bezahlversion 6 aufwärts.

Wie wird’s gemacht? Im Hintergrund ist HRD gestartet und mit dem TS-590S verbunden. Jetzt wird HDSDR gestartet. Um nun HDSDR und HRD miteinander zu koppeln, in HDSDR ins „Options“-Menü einsteigen und auf „DDE to HDSDR“ klicken.

Im Fenster „DDE to HDSDR“ die Punkte bei DDE Format auf „HRD“ und bei Sync Type auf „Tune“ setzen. Dann auf OK klicken. Der Status springt jetzt von „Status: connection failed“ auf „Status: connection ok 🙂“. Damit ist die Verbindung zwischen dem TRX → HRD → HDSDR hergestellt. Der Datenaustausch funktioniert in jede Richtung. Es ist egal, ob man einen Band- oder Frequenzwechsel in HRD am TRX oder in HDSDR vornimmt. Die jeweils anderen Komponenten folgen.

VII – Bedienung des Systems

Nachdem nun alle Konfigurationen abgeschlossen sind, kann es endlich los gehen!! Zuerst den TS-590S einschalten, dann HRD starten und verbinden. Zum Schluss HDSDR starten.

Um nun auf ein Signal zu reagieren und es hörbar zu machen, klickt man entweder im Wasserfall oder im Scope das Signal an. Der TRX springt dann auf dessen Frequenz. Bei LSB klickt man rechts und bei USB links neben das Signal.

Die Rasterung bei der Frequenzwahl über das Display ist 1kHz. Um eine Station, die z.B 500Hz daneben liegt einzupegeln, benutzt man am besten den VFO am TS-590S. Natürlich ist eine Nachregelung auch mit der Maus über die Frequenzanzeige in HDSDR oder HRD möglich.

Bewegt man den Mauszeiger in das Scope oder den Wasserfall und dreht das Scrollrad, verschiebt sich die Frequenzskala nach rechts oder links, wobei der Cursor an Ort und Stelle verharrt. Der TRX macht die Frequenzsprünge natürlich mit! Die Schrittweite beträgt hierbei 500Hz und die Bandbreite bleibt unverändert.

Hier noch eine Beschreibung der Schieberegler und deren Wirkungsweise von links nach rechts:

  1. Helligkeit: Der Wasserfall wird heller oder dunkler.

  2. Kontrast: Der Kontrast im Wasserfall wird stärker oder schwächer.

  3. Verstärkung: Die Ausschläge der Peaks im Scope werden höher oder niedriger.

  4. Nulllinie: Die Nulllinie im Scope wird hoch oder runter geschoben.

  5. UP/Down – legt die Auflösung im Scope und im Wasserfall fest.

  6. Durchschnittswerte: Das Scope wird mehr oder weniger träge und die angezeigten Werte werden mehr oder weniger stark vermittelt.

  7. Zoom: Die dargestellte Frequenzbandbreite im Wasserfall und im Scope wird verändert.

  8. Speed: Die Flussgeschwindigkeit im Wasserfall wird geändert.

VIII – Hinweise

Alle Modifikationen und Installationen führt Ihr auf eigene Gefahr durch! Ich/Wir übernehmen keinerlei Haftung für Schäden an Eurem Equipment.

Die Software wurde von uns auf Win7 mit HRD 5 und Win10 64Bit mit HRD 6 getestet.

Für die Links und die Inhalte der verlinkten Seiten sind wir nicht verantwortlich. Sollte ein Link defekt sein, bitten wir um eine kurze Information.

Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Einrichten und viel Spaß damit auf den Bändern!

73 de Frank DL6FH